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Grüner wird’s nicht: Ihre Liebe zur Natur kann Kerstin nicht verbergen. Das Wohnzimmer beschreibt sie als ihre Ruheoase und hat es mit einer Vielzahl an Pflanzen zu einem kleinen Dschungel verwandelt. “Meinen Charakter könnte ich mit einer Hängepflanze vergleichen”, beschreibt sie. “Die passt sich an, entwickelt sich immer weiter und wächst in Richtungen, die man noch nicht kennt. Mit der Geburt von Mila sind mir Stärken gewachsen, die ich in mir niemals vermutet hätte.” Der einzige Ort, der noch grüner sein könnte, als die Diele ihrer Neuhausener Altbauwohnung ist der Park um die Ecke – so führen wir das Interview, in Begleitung der einjährigen Mila, auf dem Spielplatz fort.

Sonja: Johannes und du nehmt die Kleine viel mit ins Freie. Welchen Lebensraum wünscht ihr euch für ihre Kindheit?

Kerstin: Natürlich könnte ich es mir gut vorstellen, Mila außerhalb der Stadt großzuziehen, denn ich bin selbst auf dem Land aufgewachsen. Ich bin es ein bisschen leid, die befahrene Straße direkt vor der Haustür zu haben.

 

Sonja: Wie hat dich das Landleben als Kind beeinflusst?

Kerstin: In der Natur groß zu werden, hat mich sehr geprägt. Den Wald um mich zu haben, den See in der Nähe. Morgens ging man raus zum Spielen, ohne Zeitgefühl, und kam erst abends wieder nach Hause, wenn man großen Hunger verspürte. Ich hatte nie den Drang, schnell erwachsen zu werden, so wie es mir hier in der Stadt scheint, wenn ich Kinder und Teenies beobachte. Meine Kindheit war frei, sehr verspielt und ohne die Erwartung, sich früh mit der Pubertät zu beschäftigen.

Sonja: Wenn ihr hier einen großen Garten hättet, was würdet ihr damit tun?

Kerstin: Oh, da kann ich mir viele schöne Dinge vorstellen, vor allem aber selbst angebautes Gemüse und eine Hängematte. Vielleicht auch einen alten Bauwagen, so wie im Garten von Johannes’ Eltern am Bodensee.

 

Sonja: Wie haben sich deine Träume verändert, als Mila auf die Welt kam?

Kerstin: Die Schwangerschaft war nicht geplant, und hat mein Leben natürlich auf den Kopf gestellt. Pläne, wie etwa alleine im Ausland zu arbeiten, musste ich für’s Erste canceln. Ich beschreibe es gerne so, dass man, auf dem Kopf stehend eine ganze neue Perspektive bekommt, und umdenken muss. Im Bezug auf meine Träume ist das nicht besser oder schlechter, sondern einfach anders!

Sonja: Durch die Schwangerschaft und Milas Geburt hast du dich stark mit der Mutterrolle auseinandergesetzt. Sowohl im Privaten, als auch in deiner Abschlussarbeit an der Designschule. Was ist dir dabei aufgefallen?

Kerstin: Mir wurde klar, wie viel von Müttern verlangt wird. Du sollst direkt nach der Geburt dein altes Gewicht erreichen, zeitgleich eine perfekte Hausfrau sein, und am besten sofort wieder im alten Job arbeiten. Dabei musste ich erstmal mit dieser völlig neuen Körperwahrnehmung klar kommen. Es ist unglaublich großartig, was der weibliche Körper leisten kann und wie stark du als Mutter wirst!

 

Sonja: Erzähl’ mir doch, wie es zur Gründung des Labels “Womom” kam, das Mode für Schwangere und Nichtschwangere produziert!

Kerstin: Es fiel mir schon länger auf, dass beim Einkauf zwischen “maternity” und “women” grundsätzlich unterschieden wird, was natürlich die Frage aufwirft, ob man aufhört, eine Frau zu sein, sobald man Mutter wird. Ich weigere mich, seit der Geburt meiner Tochter, mich ausschließlich mit “Muttikram” zu befassen. Freundinnen, die zeitgleich ein Kind geboren haben, der Journalistin Tatiana Peco, sowie Grafikerin Annette Granados, ist es ein Anliegen, humorvoll mit dem Muttersein umzugehen. Zum Beispiel, indem wir darüber lachen können, dass wir uns manchmal wie eine wandelnde Milchpackung fühlen.

„Meine Kindheit war frei, sehr verspielt und ohne die Erwartung, sich früh mit der Pubertät zu beschäftigen.“

Sonja: Wieviel Erfolg versprecht ihr euch von diesem Label?

Kerstin: Wir tun uns noch schwer, die Resonanz abzuschätzen, aber das Feedback bisher war sehr gut! Aktuell werden wir mit einem Beitrag im ZEIT-Magazin vorgestellt. Ob ich als Gründerin von “Womom” irgendwann leben kann, ist schwer zu sagen. Ich arbeite also weiterhin als freiberufliche Fotografin.

 

Sonja: Deine Motive sind mittlerweile häufig Schwangere. Früher hast du viel Modefotografie betrieben und mit Vorliebe nachts geshootet. War das eine natürliche Umstellung?

Kerstin: Durch die eigene Schwangerschaft lag mir das freilich. Und es ist auch selbsterklärend, dass ich nicht mehr nachts mit der Kamera um die Häuser ziehen kann, wenn ich ein Baby zuhause habe. Grundsätzlich gefällt es mir aber, dass schwangere Frauen eine eigene Art von Sexyness haben, und das Kind die eigene Wahrnehmung stark verändert. Dabei zeige ich die Schwangerschaft aber nicht in typischen Klischeefotos mit herzchenförmig gefalteten Händen vor dem Bauch. Sondern mit einer eigenen geheimnisvollen Attraktivität.

Sonja: Was bedeutet die Umstellung für Johannes und dich in der organisatorischen Aufteilung?

Kerstin: Wir hatten im Vorfeld sehr wohl darüber gesprochen, dass auch Johannes zuhause bleiben könnte, doch in seinem Beruf als Sound Engineer ist es für ihn wichtig, im Büro zu sein. Ich hingegen kann gut von zuhause aus arbeiten. Als junge Mutter wird man automatisch gezwungen, organisierter zu werden und den Alltag besser zu strukturieren. Ich stelle auch fest, dass ich in vielen Bereichen ruhiger und entspannter geworden bin.

 

Sonja: Wie hat sich eure Wohnung verändert?

Kerstin: Als wir gemeinsam das Kinderzimmer eingerichtet haben, ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass wir unser Leben ab sofort mit einem kleinen Menschen teilen würden. Das war ein unbeschreiblicher Moment! Die Wohnung als solche ist natürlich kinderfreundlicher geworden und wir schaffen uns Orte der Ruhe, wie unser Wohnzimmer mit den vielen Pflanzen. Johannes und ich sammeln beide wahnsinnig gerne Sitzmöbel und können an keinem schönen Stuhl oder Sessel vorbeigehen.

 

Sonja: Baut ihr vieles selbst? Gibt es noch viele Relikte aus dem Leben ohne Kind?

Kerstin: Ich habe einen Kleiderständer selbstgebaut, aber ansonsten bin ich handwerklich nicht so wahnsinnig talentiert. Ein Erinnerungsstück ist eine kitschige Vase mit einem Hund, der Rosen im Maul trägt. Ich habe sie sofort gesehen, als ich Johannes zum ersten Mal zuhause besucht habe, und mich über ihre Funktion gewundert. Wie kann ein so schöner Kerl eine so hässliche Vase besitzen? Eigentlich hätte ich sie schon längst wegwerfen sollen, aber bringe es nicht über’s Herz. Jetzt steht sie immer noch in unserem Arbeitszimmer.

“Als junge Mutter wird man automatisch gezwungen, organisierter zu werden und den Alltag besser zu strukturieren.”

Zurück in der Küche brodeln mittlerweile Karotten und Süßkartoffeln im Kochtopf. Zwischen Aufklebern ihres Labels, Obst, Babynahrung und hochwertigen Magazinen zeigt mir Kerstin ihre aktuellste Freelance-Arbeit für die befreundete Besitzerin eines Concept Stores, dessen Lookbook sie gestaltet. Auf ihrer Brust schlummert friedlich Mila in der Trage und es könnte kein besseres Bild geben als Begründung, mit ihrem “Womom”-Projekt darauf aufmerksam zu machen, dass junge Mütter es nie ablegen, die kreativen, tatkrätigen Frauen zu sein, die sie auch vor der Geburt schon waren.

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