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Die Recher kommen

Das wichtigste beim Zen ist das Putzen. Wer nicht mit Liebe putzen kann, der wird die Erleuchtung nicht finden (alte Zen-Weisheit). Auch nicht im Kiesbett mit einem Rechen und fantastischen Moos-Skulpuren. Aber helfen kann so ein Zengarten schon. Beim Betrachten stellt sich unmittelbar eine innere Ordnung ein und genau so soll das auch sein – denn Zengärten sind gewissermaßen kultivierte Achtsamkeit. In ihnen wird auf kondensierte, minimale und hoch-ästhetisierte Weise eine visuelle und räumliche Bühne geschaffen um Aufmerksamkeit zu bündeln. Wer das im Original und nicht in einer kleiner Sandbox mit Miniaturrechen auf seinem Schreibtisch erleben will, der sollte nach Kyoto reisen – am besten in den Ryōan-ji. Hier im Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachen befindet sich der wohl berühmteste Zengarten Japans: 30 mal 10 Meter sorgfältig gerechter Kies und 15 mit Bedacht platzierte unregelmäßige Steine in fünf moosgesäumten Inseln. Angeordnet in perfekt ausbalancierter Spannung, auf das absolut Wesentliche reduziert und nicht dem Wandel der Jahreszeiten unterworfen – hier ist alles Symbol. Aber für was eigentlich? Oft werden die Steine als Inseln in einem Ozean interpretiert, doch bis heute ist der Garten ein nicht gänzlich entschlüsseltes und faszinierendes Mysterium.

Dieses Paradies aus Kies hält was es verspricht. Aber kann man Zen nicht auch – oder erst recht – in einem grünen Garten mit quicklebendigen Pflanzen erleben? Werfen wir dazu einen Blick auf eine weitere wichtige Strömung der japanischen Gartenkunst: die Teegärten.

Diese haben zwar auch mit innerer Einkehr zu tun, sind in ihrer Ausgestaltung und ihrem Gebrauch allerdings grundverschieden. Ein Zengarten wird nicht betreten, selbst wenn er kleine Brücken oder Pflastersteine enthält. Diese sind einzig und allein dazu gedacht, Perspektive zu schaffen und Symbolik zu erzeugen. Der Teegarten hingegen lädt zum Durchschreiten ein.

Durch die oasenhaft nachempfundene, gewissermaßen idealisierte Natur, soll der Gast vom Alltag und all seinen negativen und störenden Gedanken befreit werden. Das dient der Vorbereitung auf die Teezeremonie, die dann schließlich im Teehaus stattfindet. Der Weg dorthin folgt einem streng choreographierten Ablauf.

Zum Beispiel besteht der Pfad durch das Grün aus wie zufällig angeordneten, unregelmäßigen Pflastersteinen. Doch jeder Millimeter ist hier bewusst gesetzt. Das ist nicht nur visuell an die Lehre des Wabi-Sabi, der Schönheit des Unperfekten, angelehnt.

Es soll den Gast auch dazu anregen – man könnte auch sagen zwingen – seine Schritte mit Bedacht zu wählen und immer wieder inne zu halten. Das verlangt der Weg ohnehin in seiner Mitte: Am Brunnen mit der Bambuskelle wäscht und reinigt man sich, bevor die Zeremonie beginnt. Was den Zengarten und den Teegarten verbindet, ist natürlich die Stilisierung, die tiefe Symbolik und damit – der Zen. Dieses im allgemeinen Sprachgebrauch schon ein wenig verschliffene Wort bezeichnet allerdings mehr als einen entspannten Geisteszustand oder Selbstgeißelung durch Minimalismus. Es ist Weltanschauung, Lehre und Weg. Die Hauptübung des Zen, nämlich das Zazen, besteht einfach nur im Sitzen und an nichts denken, nichts wollen und auch nicht davon schweben. Einfach nur sitzen (gerade sollte es aber schon sein) und seinen Geist leeren. Von Ikebana über Bogenschießen bis hin zur Gartenkunst – die vielen verschiedenen Wege und Praktiken des Zen dienen alle einzig und allein diesem Zweck: durch gerichtete Aufmerksamkeit einen klaren Geist zu erlangen.

Zengärten geben also dem unruhigen Gemüt eine Leinwand, auf der es seinen vollen Pinsel abstreifen und klar werden kann – ob in Kies, auf dem Teeweg oder im eigenen bewusst gestalteten Garten. Und für die Zen-Entspannung für zwischendurch empfi ehlt sich das Rezitieren des wohl berühmtesten Haikus von Matsuo Bashō :

Der alte Weiher:
Ein Frosch springt hinein.
Oh! Das Geräusch des Wassers.

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