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Zen meets Geselligkeit: Die Mutter aller Teezeremonien lässt sich im japanischen Teehaus in München erleben. Bei Matcha und Ginkgo-Keks kann man hier durchatmen und gleichzeitig ein Stück Tradition und Gastfreundschaft erleben.

Text Agnes Bachmaier
Fotos Moritz Fuhrmann

It’s Tea Time

Eine japanische Teezeremonie zu erleben ist etwas sehr Entschleunigendes. Und auch etwas äußerst Magisches. Im Teehaus im Englischen Garten in München lädt die Urasenke Teeschule regelmäßig Gäste dazu ein, nicht nur äußerlich, sondern ganz besonders innerlich einzukehren: Gastfreundschaft für Leib und Seele, im wahrsten Sinne des Wortes. Das kleine Häuschen auf der Teeinsel liegt ruhig und wie eine Oase inmitten des regen Durcheinanders von Joggern, Kinderwagen und Pärchen-Picknicks. Die Insel und das Teehaus lassen sich nur durch einen kleinen Steg erreichen. Das Tor wird ausschließlich dann geöffnet, wenn Besucher der Zeremonie eingelassen oder verabschiedet werden. Schon das Durchschreiten des Tors auf dem Steg gibt einem das Gefühl, aus dem täglichen Trott heraus und in eine ganz besondere Welt eingetreten zu sein. Begrüßt wird man von den sehr warmherzigen und aufwendig gewandeten Gastgebern, die einem freundlich den Weg weisen.

Nach neugierigem Gang durch den Teegarten nimmt man schließlich Platz im Häuschen und ist zunächst vielleicht ein bisschen enttäuscht. Der Aufbau gleicht eher einem kleinen Theater, die Besucher sitzen auf Bänken und beobachten das Tee-Geschehen nur, anstatt aktiver Teil davon zu sein. Das wäre allerdings auch gar nicht so spontan möglich, wie man gleich danach erfährt. Denn der Gast einer Teezeremonie zu sein erfordert beinahe genauso viel Training, wie sie als Gastgeber zu vollziehen.

Der klassische Ablauf dauert über 5 Stunden, dabei werden auch Speisen gereicht und verschiedene Sorten Tee getrunken. Aber auch der etwa einstündige Teil, den man im Englischen Garten erleben kann, ist durchaus komplex. Der Beginn der Zeremonie wird mit einem Gong eingeleitet. Der Gast erscheint und nimmt seinen Platz ein. Dann betritt der Gastgeber den Raum, setzt sich im Kniesitz vor das Kohlebecken und bereitet seine Utensilien zur Teezubereitung vor: die Teeschalen, die Teedose, das Frischwasser-Gefäß, das Gebrauchtwasser-Gefäß, den Wasserkessel, die Bambuskelle und den Teebesen.

Nach einer Verbeugung beginnt der Gastgeber mit der Zubereitung. Zunächst wird Wasser aus dem Kessel in eine Teeschale gefüllt, um diese zu erwärmen. Anschließend wird dieses Wasser in das Gebrauchtwasser-Gefäß entsorgt und die Teeschale gereinigt. Nun wird das Teepulver in die Schale gefüllt, mit heißem Wasser aufgegossen und mit dem kleinen Bambusbesen schaumig geschlagen. Der Gast nimmt die Schale mit einer Verbeugung entgegen und probiert den Tee. Das andächtige Schweigen dabei wird nur durch das traditionelle Loben des kostbaren Porzellans unterbrochen.

Jede noch so kleine Bewegung ist hier voll durch-choreografiert: Jeder Schritt in den traditionellen japanischen Sandalen mit den weißen Söckchen und jedes Nippen an den antiken Teeschalen. Und auch wenn sich das zu Beginn und mit etwas unruhigem Geist noch schmerzhaft langsam anfühlt – bald ist schon das reine Zusehen unglaublich entspannend. Man könnte sagen, es ist wie eine Art kollektive Meditation. Die feinen, liebevollen Bewegungen zeigen Achtsamkeit und Wertschätzung. Natürlich zwischen Gast und Gastgeber aber genauso gegenüber den kunstvollen Gegenständen und der Tradition.

Diesen Geist spürt man auch später, wenn man als Besucher schließlich ebenfalls eine dampfende Schale mit perfekt schaumig geschlagenem Matcha – dem starken Grüntee aus gemahlen Blättern der Teepflanze – und einen kleinen Keks mit Ginkgo-Blatt überreicht bekommt, dem Symbol für Freundschaft und Verbundenheit.

Am Eingang des Teehauses wird man von dieser Inschrift begrüßt

Auch das Teehaus in München ist ein Symbol der Freundschaft. Es war ein Geschenk des japanischen Großmeisters der Urasenke Teeschule aus Kyoto, Dr. Soshitsu Sen.

Auch das Teehaus in München ist ein Symbol der Freundschaft. Es war ein Geschenk des japanischen Großmeisters der Urasenke Teeschule aus Kyoto, Dr. Soshitsu Sen. Soshitsus Wunsch: Die Teezeremonie sollte hier nach Art der Urasenke-Schule gelehrt werden. Und sein Wunsch wird noch heute erfüllt. Eine sehr engagierte Gruppe von Schülern trifft sich hier regelmäßig, um sich zu üben. Ähnlich wie bei anderen japanischen Lehrwegen wie den Kampfkünsten lernt ein Schüler klassischer Weise nicht aus Büchern, auf Youtube oder bei der VHS, sonder von einem Meister. Und er bekommt seine nächste Lektion, wenn der Meister seine Reife dazu erkennt. Die höheren Übungen sind oft geheim, so auch bei der Teeschule. Manche Zeremonien werden nur von Meistern an ihre Schüler weitergegeben. Und es gibt einiges zu lernen. Zu Beginn ist schon das kunstvolle Falten und Entfalten eines kleinen Tuchs, das am Gürtel des Kimonos hängt, eine echte Herausforderung. Es wird während der Zeremonie immer wieder herausgezogen, um die leicht mit Wasser benetzten Ränder der Keramik abzutupfen, meistens wahrscheinlich eher symbolisch.

Aber ganz gleich ob mit oder ohne Tuchs, in einem Teehaus oder einfach Zuhause: Die tief greifende Symbolik der Gastfreundschaft und die Freude beim Teetrinken kann man auf viel Arten zelebrieren. Auch wenn einem Zen egal ist oder man Tee vor allem trinkt, weil er wach macht: Jeder hat seine eigenen ritualisierte Abläufe und oft auch ein paar Schrullen und Eigensinn. Da schnippelt mancher mit Liebe seinen frischen Ingwer und gießt gepresste Zitrone hinterher, der andere schwört auf einen ganz bestimmten English Breakfast Tea, der mit einer genau dosierten Menge an Zucker und Milch in einer Kate & William-Tasse getrunken wird und der Dritte schäumt eben Matcha mit einem kleinen Bambusbesen in Wabisabi-Keramik. Ganz gleich bei welchem von unseren drei fiktiven Teezeremonienmeistern wir zu Gast wären – jeder von ihnen würde ganz sicher mit Freuden seinen Lieblingstee zubereiten und kredenzen. Und genau darum geht es bei Gastfreundschaft. Sie bedeutet, jemand Fremden in seine Lebenswelt zu lassen und ihn willkommen zu heißen, mit etwas, das einem selbst am Herzen liegt und das man gerne teilen möchte.

Leicht verspannt einer klassischen japanische Teezeremonie beizuwohnen entspricht vielleicht nicht in allen Punkten unserem Bild einer angenehmen Einladung bei Freunden – in gelöster Stimmung und mit ungezwungenen Gesprächen. Doch es gibt eine essenzielle Gemeinsamkeit: Wir werden dazu eingeladen, uns eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, Raum und Zeit, um zusammen zu sein. Und genau dieses gemeinsame Abstreifen des Alltags ist auch ein Grundgedanke der Teezeremonie.

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