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Thema Familienleben Leila Alavi: „Kinder bekommen den eigenen Konsum mit und ahmen ihn nach.“

Text von Sonja Steppan
Bilder von Duy Anh Pham

Leila Alavi: „Kinder bekommen den eigenen Konsum mit und ahmen ihn nach.“

Wer in den Showroom von SELVE tritt, kann alles revidieren, was man sonst an stressigen Schuhkäufen, aufdringlichen Verkäufern und drückenden Riemchen in Erinnerung hat. Denn Leila Alavi vermittelt eher das Gefühl, man sei in einem sehr coolen Wohnzimmer gelandet, in dem sich alles um die perfekten, passgenauen High Heels dreht.

Dass sie ihren Job als Creative Director liebt, spürt man schnell. Mit grazilen Schritten geht sie flink – auf hohen Absätzen wohl bemerkt – im Ladengeschäft umher, serviert Kaffee, Obst und Pralinen, erklärt simultan das Geschäftskonzept und zeichnet mit ihrer Tochter Louisa nebenbei noch Entwürfe für Schuhe, als wäre nichts dabei.

„Mama, wie kriegst du das nur immer so schön hin?“, fragt die Erstklässlerin. “Bei mir klappt das nicht so, wie es soll.“

„Übung!“, entgegnet diese schmunzelnd. „Einfach nur Übung. Der Trugschluss ist ja, dass man als Designer gar nicht unbedingt »schön« zeichnen können muss – die Schuhmacher und Kunden müssen nur verstehen, was man meint. Entwurfszeichnungen sehen relativ selten aus wie ein richtiger Schuh.“

Louisa wächst umgeben von Kreativität auf

Louisa wächst umgeben von Kreativität auf

Umgeben von schillernden Stiften, Kleber und haufenweise Papier sitzt Louisa hochkonzentriert am Glastisch, welcher auch als Arbeitsplatz von Leila dient. Als alleinerziehende Mutter erfordert ihr Vollzeitjob nicht nur Fachwissen und Kreativität, sondern auch viel Disziplin, wenn es darum geht, ihre quirlige Tochter zu erziehen.

Sonja: Bei euch wohnen drei Generationen an Frauen unter einem Dach. Hat das viele Vorteile?

Leila: Ja, meine Mutter lebt in einer separaten Wohnung im selben Haus und hilft uns sehr viel, anders würde es auch kaum funktionieren. Ich verbringe fast jeden Tag hier im Laden, auch in den Sommerferien. Die Betreuungszeiten in Louisas Tagesheim reichen nicht ganz aus, obwohl es dort ein Ferienprogramm gibt. Ich bin froh, dass Louisa für die restliche Zeit zu ihrer Oma gehen kann.

Louisa und Leila zeichnen oft gemeinsam

Während wir uns unterhalten, zeichnet Louisa Schuhe. „Manchmal weiß man gar nicht, von wem die Entwürfe sind“, zwinkert Leila. Hauptsächlich meint sie damit, dass ihre Tochter bereits eine anständige Silhouette hinbekommt und diese üppig mit Perlen, Glitzer und Ornamenten verziert – denn das übt sie schon ”seit sie einen Stift halten kann“.

Sonja: In den allermeisten Fällen ist für ein Kind die Mutter als erste Bezugsperson ein wichtiges Vorbild. Hast du den Eindruck, dass Kreativität in eurem Alltag eine große Rolle spielt?

Leila: Ja, sehr, denn wir reden viel über meinen Beruf – alleine deshalb, weil ich viele Schuhmodelle selbst trage und Entwürfe mit nach Hause mitnehme. Louisa bekommt die Abläufe im Laden täglich mit, wir sprechen über Testmaterialien oder Dekoration. Manchmal ist das auch lustig, wenn ich etwa zwei verschiedene High Heels gleichzeitig trage, um die Prototypen zu testen.

Das SELVE-Ladengeschäft in München

Das SELVE-Ladengeschäft in München

Sonja: Wie würdest du euren Alltag beschreiben?

Leila: Meistens wachen wir beide ein bisschen verträumt-verschlafen auf und würden lieber liegen bleiben, aber brechen dann gemeinsam mit Oma in Richtung Schule und Laden auf. Wenn ich abends nach Hause komme, ist Louisa meist gerade aus dem Tagesheim zurückgekommen, dann machen wir manchmal noch Hausaufgaben. Entweder koche ich oder wir bestellen etwas. Erst nach dem Essen sind wir beide so richtig angekommen. Dann ratschen und kuscheln wir den restlichen Abend. Das Einschlafritual ist uns sehr wichtig. Ich lese Louisa oft vor und meistens schläft sie erst wenn es dunkel ist – im Sommer kann das natürlich etwas länger dauern. Unter der Woche sehen wir uns also hauptsächlich abends. Ich arbeite zwar sehr gerne aber eben auch viel. Da bin ich froh über die tägliche Unterstützung meiner Mutter. Am Wochenende ist Louisa oft bei ihrem Papa.

Sonja: Spielt in eurem Haushalt, neben allem das bei euch gebastelt, geklebt und vorgelesen wird, Technologie und Screentime überhaupt eine Rolle?

Leila: Die digitalen Medien haben schon einen hohen Stellenwert. Als Louisa noch klein war, bin ich da viel strenger gewesen. Mittlerweile schaut sie ab und zu Kinderfilme und -serien an. Nur am Essenstisch oder im Restaurant bleibe ich strikt. Auch wenn ich den Impuls als Mutter verstehen kann, dass man sein Essen in Ruhe genießen will.

Louisa: Ich darf nur manchmal beim Fernsehen etwas essen.

Leila: Ja, beim Fernsehen was knabbern ist schon erlaubt aber nicht Abendessen beim Fernsehen, das ist andersherum. (lacht) Lou, du merkst ja sonst gar nicht, was du isst!

Mutter und Tochter sind ein eingespieltes Team

Sonja: Was schaust du am liebsten, Louisa?

Louisa: YouTube!

Leila: Es gibt tatsächlich mittlerweile YouTube-Clips, bei denen sie anderen Kindern beim Spielen zuschauen kann. Ich passe da sehr auf und schränke das stark ein, weil man besonders bei einem Streaming-Dienst leicht mal auf das falsche Video klickt.

Sonja: Also denkst du, man kann gar nicht vermeiden, dass Kinder in irgendeiner Form mit Technologie aufwachsen und dass man neue Regeln für den Umgang mit Technologie finden muss?

Leila: So sehe ich das. Aus meiner Sicht ergibt es keinen Sinn, Geräte komplett zu verbieten. Kinder bekommen den eigenen Konsum ja mit und ahmen diesen nach. Zwischendurch arbeite ich auch von zu Hause aus an meinem Smartphone oder Laptop – also brauche ich Lou nicht erzählen, dass Handys blöd sind. Mit solchen Aussagen stößt man bei Kindern nur auf Unverständnis.

Zwischen Schulranzen, Handy und Ritterburg

Zwischen Schulranzen, Handy und Ritterburg

Sonja: Hat Louisa denn schon ein Handy?

Leila: Leider ja! Ich hätte es gerne vermieden, aber es ist sowieso nicht aktiviert. Einige Spiele sind darauf, sie kann Musik hören und macht gerne Fotos damit. Aber sonst funktioniert nichts. Ihre Generation wird Smartphones später vermutlich ohnehin viel mehr verwenden als wir. Ich finde wichtig, dass es klare zeitliche Grenzen gibt. Dass man gemeinsam darüber spricht, was man sieht, lernt ein Gerät zum Beispiel für Fotos oder Lernspiele bewusst einzusetzen, sich seinen Lebensalltag aber nicht davon bestimmen lässt.

Sonja: Profitiert ihr davon, dass sich im pädagogischen Bereich schon viel getan hat?

Leila: Wir haben auf dem iPad wirklich einige tolle Lernspiele, die ich mir immer vorher durchschaue. Ich achte darauf, dass die Bilder und Animationen langsam sind. Da fallen schon mal viele Apps durchs Raster, obwohl sie für die Altersgruppe freigegeben wären. Manchmal sind die Abläufe einfach zu schnell und regen die Kinder dann auf. Ich möchte gerne die Verantwortung dafür tragen, dass es nicht zu viele Einflüsse gibt, deren Folgen uns nicht bewusst sind.

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