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Heike und Tim Wittenbecher treffe ich in Berlin – wo sonst – am Wasser. Sie bauen Leuchttürme zu kleinen Hideaways aus. Zu Hotels, die für nicht mehr als zwei Gäste zu haben sind. Drei Türme auf Usedom, in Dagebüll und Bad Saarow sind schon im Betrieb. Neu am Start ist der „Greif“ – ein Kran in der HafenCity Hamburg.

Joachim Leuther: „Wie kamen Sie auf die Idee, Leuchttürme zu höchst privaten Unterkünften auszubauen?“

 

Heike Wittenbecher: „Als Architektin hatte ich immer den Wunsch, meine Vorstellungen und unsere gemeinsamen Ideen umzusetzen. Die Gestaltung eines so eigenwilligen Raums auf kleiner Fläche ist nicht nur eine kreative Herausforderung. Manche Türme sind beispielsweise nicht geheizt und dann müssen wir eine komplizierte Wandheizung bauen. Auch unsere Idee, dass ein Whirlpool Platz finden muss, ist eine immense Herausforderung an Technik und Kreativität.“

Der Mensch auf dem Leuchtturm blickt sehnsüchtig in die Ferne, der Mensch auf dem Schiff sieht das Leuchtfeuer als Heimat.

Der innere Antrieb hat aus Tim Wittenbecher einen Unternehmer gemacht – aber einige Züge seines Charakters würden auch zu einem charismatischen Leuchtturmwärter passen. Denn im Dialog offenbart sich, wie viel Akribie und Langmut aber auch Festigkeit und Disziplin notwendig sind, um sich mit Leuchttürmen beschäftigen zu können. Er ist ein stiller Beobachter von Details und man sieht an der Art, wie er Gespräche führt, dass ihm der Umgang mit Einheimischen oder Behörden rund um seine Wunschobjekte leicht fällt. Geduld und Respekt vor Bestehendem scheinen Kernkompetenzen zu sein, bedenkt man, dass zwischen Planung und Eröffnung drei bis fünf Jahre liegen können. Oder länger.

Tim Wittenbecher: „Derzeit planen wir sechs neue Türme in Spanien und Italien. Vom Trafalgar-Leuchtturm aus werden Gäste im Garten eine Nachbildung der berühmten Seeschlacht sehen können.“ An dieser Stelle wird die Zielführung des Interviews für längere Zeit unterbrochen, um die Schlacht von der strategischen, taktischen sowie menschlichen Seite zu beleuchten und die spätere Bedeutung für das Empire zu diskutieren. Außerdem muss jetzt noch die Geschichte von Jorge erzählt werden, der im Faro de Orchilla – wie der Leuchtturm eigentlich heißt – geboren wurde. Der in die Welt zog, studierte, für Boing in New York City arbeitete und nun zurückgekehrt ist. Als Leuchtturmwärter.

 

Tim Wittenbecher: „Dann ist da noch der Turm in Venedig.“ Spätestens jetzt ist klar, dass das Zimmer im Leuchtturm von Venedig der weltweite Star bei Instagram werden könnte. „Allerdings befinden wir uns mit unseren Verhandlungen in Italien und das bringt immer wieder neue Überraschungsmomente in den Fortschritt des Baus.“ Hier, so Tim Wittenbecher, dürfte eine Entwicklungszeit von fünf Jahren locker überschritten werden.

Joachim Leuther: „Wer ist Gast bei Ihnen?“

Heike Wittenbecher: „Eine Nacht bei uns kostet zwischen 280 € und 450 €. Daher werden wir häufig von Paaren mit besonderen Momenten wie Hochzeiten oder Jubiläen gebucht.“

Tim Wittenbecher: „Zuerst sind immer die Frühlingsfeiertage weg, dann die Wochenenden und danach die Werktage vom Sommer bis zum Winter. Unsere Auslastung liegt bei allen Türmen bei 100%.“

Heike Wittenbecher: „Die Wartezeit liegt aktuell bei ein bis zwei Jahren und währenddessen gibt es auch traurige Momente. In einem Gästebucheintrag über sechs Seiten hinweg schilderte eine Frau, in eine Affäre mit einem verheirateten Mann verstrickt, wie sich beide vorgenommen hatten, offiziell zusammen zu kommen. Die Frau hatte ein Jahr im Voraus gebucht und das Wochenende im Turm sollte der Startschuss in eine neue Zukunft sein. Ihre Affäre kam jedoch zum vereinbarten Zeitpunkt nicht und die Nacht wurde zu Ihrer Katharsis.

Tim Wittenbecher: „Und dann hatten wir eine andere Frau, die lange im Voraus nur für sich gebucht hatte. Sie kam dann doch mit einem Mann und machte ihm im Turm dann einen Heiratsantrag.“

Ob "Highlight" oder "Leuchtturmprojekt" – die Signalwirkung ist auch sprachlich fest verankert.

Die Welt ist ein schönes Biest und nicht ohne Grund hat der Leuchtturm, das „Highlight“, eine außergewöhnliche Wirkung auf unsere Gefühlswelt. Tim Wittenbecher sagt, dass der Mensch auf dem Leuchtturm sehnsüchtig in die Ferne blickt, während der Mensch auf dem Schiff das Leuchtfeuer als Heimat sieht. Daher ist es nicht ungewöhnlich, wenn Leuchttürme an den besten Plätzen der Welt stehen. Weil sie sie dazu machen.

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