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Thema Wohngemeinschaften Mehrgenerationen Wohnen: Bella Obermaier im Interview über Ihren Weg zu Leben

Text von Lukas Kubina,
Bilder von Gunter Bieringer

Mehrgenerationen Wohnen

Im Jahr 2030 werden in der Bundesrepublik mehr als 22 Millionen Menschen leben, die 65 Jahre und älter sind. Laut Statistischem Bundesamt entspricht das einem Anteil an der schrumpfenden deutschen Gesamtbevölkerung von etwa 29 Prozent. Mehrgenerationenhäuser sind eine generationenübergreifende Haus- oder Wohngemeinschaft, die als langfristig angelegte Lebensform für das freiwillige Zusammenleben mehrerer unabhängiger und verschieden alter Personen gewählt wurde. Sie sind ein probates Mittel, um in Zeiten eines tiefgreifenden demographischen Wandels eine geeignete Wohnform zu finden, die fortschreitend verloren geht: das intergenerative Wohnen.

Bella Obermaiers wunderschönes Reich

Bella Obermaiers wunderschönes Reich

Alt, älter, Japan

In Japan trifft eine der niedrigsten Geburtenraten der Welt auf eine der höchsten Lebenserwartungen. Wen man über Mehrgenerationenhäuser spricht, lohnt es sich also ein Blick in das Land der aufgehenden Sonne zu werfen. Dort ist es traditionell Aufgabe des ältesten Sohnes, mit seiner Familie in die Wohnung der Eltern zu ziehen und sie bis zu ihrem Tod zu begleiten. 2009 wohnten immerhin noch 32 Prozent der 65-Jährigen und Älteren in einem solchen Drei-Generationen-Haushalt (Universität Heidelberg). Auch in einem Deutschland vor unserer Zeit war es normal, dass verschiedene Generationen unter einem Dach lebten und sich gegenseitig unterstützten. Einhergehend mit dem wirtschaftlichen Boom, neuen Lebensmodellen und einer Entfremdung der Generationen, sind solche familiären Umstände nur noch als Einzelfälle anzutreffen. Dafür entstehen private und öffentliche Initiativen, die dem entgegenwirken wollen und intergeneratives Wohnen jenseits der Familiengrenzen einführen.

Der alternative Weg

Wir treffen Bella Obermaier in ihrem Garten, auf dem ihr ganz besonderes Mehrgenerationshaus im Südwesten Münchens steht. Sie ist in diesem Haus aufgewachsen, genauso wie ihre Tochter Jelena. Ihre derzeitigen Mitbewohner sind zwischen zwanzig und vierzig Jahre alt. Bella selbst ist 71. Sie serviert uns Kaffee und wir setzen uns zwischen Kakteen und tunesischen Lampions in die Spätsommersonne. Hat sie es schon mal mit Altersgenossen in ihrer Wohngemeinschaft versucht? „Ja einmal, aber die Kandidaten waren mir zu negativ. Das muss man sich nicht antun. Lieber lebe ich mit den jungen Kids, die in Aufbruchsstimmung und positiv sind. Vom Mehrgenerationen Wohnen kann man besonders profitieren, wenn man ständig mit alten Gewohnheiten bricht.“

In ihrem Leben hat Bella Obermaier selten alleine gewohnt. Als sie als Hippie in Indien war, haben sie fast ein Jahr zu acht auf einem zweimetervierzigbreiten Bett im Bus geschlafen. Später zog sie in eine Künstlervilla an der Mangfall in der Nähe vom Tegernsee. Dort lebten im Schnitt zwölf Leute, die nackig rumgelaufen sind, bis die Bauern mit den Traktoren zum Schauen kamen. Bella ist es also schon lange gewohnt, durch Zusammenhalt Probleme zu lösen. Jetzt bringen ihre neuen Mitbewohner Leben in die Bude, die ihr alleine viel zu groß wäre. Gemeinsam haben sie viel Spaß und sie schätzt den frischen Input und die gelegentliche IT Hilfe. Natürlich hat es nicht nur Vorteile, zusammenzuleben und wenn keiner im Haus oder Garten ist, genießt sie die Ruhe. Aber nur, weil sie weiß, dass ihre Mitbewohner wiederkommen werden. „Es ist wie in jeder Familie. Ab und an gibt es Knatsch. Aber das gehört dazu.“ Zudem ist ihr wichtig, dass ihre Wohngemeinschaft möglichst international ist. Momentan wohnen eine Marokkanerin, ein Kanadier und ein Amerikaner bei ihr. Gerade wegen der zunehmenden Ausländerfeindlichkeit findet sie es wichtig, sich über Grenzen hinweg kennenzulernen. „Überall auf der Welt gibt es diese und jene Menschen. Hauptsache sympathisch müssen meine Mitbewohner sein.“ Schließlich rät sie allen Gleichaltrigen, dass es wichtig sei, sich nicht zu isolieren. Das Intergenerative sollte in der 1. Welt nicht weiter verloren gehen“, sagt sie.

Der organisierte Weg

Die städtische Wohnbaugemeinschaft GEWOFAG in München verfolgt mit geplanten Generationenhäusern ein systematisches Modell, um Jung und Alt wieder vermehrt zusammen zu bringen. Am Reinmarplatz in Neuhausen wurde gerade gemeinsam mit Wogeno neuer Wohnraum für junge Familien, Paare, Singles und Senioren geschaffen. Das Besondere dabei: Eine Kerngruppe der künftigen Bewohner konnte ihre Ideen und Wünsche für das neue Zuhause in den Planungsprozess einbringen. Wesentlicher Bestandteil des Projekts ist das Begegnungszentrum für Jung und Alt mit Wohncafé und Mehrzweckraum, das ins gesamte Quartier ausstrahlen soll. „Wohnen im Viertel“ gibt es inzwischen zehn Mal in der Stadt und die Bewohner sind scheinbar sehr zufrieden. Heidi Jakobi, zum Beispiel, findet das Konzept toll. Jung und Alt leben nebeneinander, die Kinder spielen bei den Nachbarn, eine alte Dame bringt Marmelade für die Kinder vorbei. „Das alles gehört für mich zu einem gesunden Leben dazu, da profitieren alle davon,“ sagt sie der TZ.

Wohnen für Hilfe

Einen dritten Weg bietet das Projekt “Wohnen für Hilfe” an. Es vermittelt wohnungssuchende Studenten und Senioren mit zu viel Wohnraum. Gerade in Universitätsstädten mit hohen Mietkosten erfreut es sich hoher Beliebtheit. In München ist die Nachfrage von Seiten der Studenten sogar höher als das Angebot. Die Studenten zahlen kaum Miete, dafür verpflichten sie sich, dem Senior bei alltäglichen Aufgaben zu helfen. Das Modell ist also mehr als eine Kostenersparnis für die Studenten, sondern auch ein Dienst an der Gesellschaft. Schließlich sind alte Menschen heute noch recht lange fähig, allein zu wohnen, da Essen auf Rädern und Pflegedienste viel abdecken, und sich die Tätigkeit der Studenten auf Rasenmähen, Arztbesuche und etwas Haushaltshilfe beschränkt. Und wenn es gut läuft, wird die Zweckgemeinschaft auch eine freundschaftliche. Wie bei einem chinesischen Studenten, der Weihnachten mit seinem Senior feierte – ganz in Bellas Sinne.

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