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Michael Wiethaus lebt und arbeitet auf kleinem Raum. Im zweiteiligen Interview erzählt er von der kreativen Nutzung seiner vier Wände.

Text von Sonja Steppan, Bilder von Sima Dehgani

Michael Wiethaus: „Ich bin jemand, dem wenig Platz genügt.“

Zum zweiten Teil der Reihe

Früher wurden auf dem Gelände am Ostbahnhof Münchens noch Knödel und Kartoffelbrei produziert, dann entstand der legendäre Kunstpark Ost daraus. Werner Eckart, der Pfanni-Erbe, hat auf dem Grund mittlerweile das „Werksviertel Mitte“ errichtet, welches aktuell von Designern, Gastronomen, Journalisten und verschiedensten Kleinunternehmern belebt wird.

Zwei von ihnen, der Fotograf Conny Mirbach und der Grafikdesigner Michael „Mixen“ Wiethaus teilen sich in diesem Container Collective ein Büro. Letzterer arbeitet hier an seinen Grafiken und Illustrationen sowohl analog als auch digital, bereitet seinen Typographie-Unterricht für die IFOG Akademie für Kommunikationsdesign vor und hat sich überdies mit großformatigen, bayrischen Plakaten lokal einen Namen gemacht.

In aller Regel verfügen genormte Container nur zwischen 15 und 30 Quadratmeter Fläche. Wie geht man als Kreativer also mit solch begrenztem, mobilem Raum um? Das erzählt er im Interview.

Sonja: Mixen, wie bist du zu deinem Container-Büro gekommen?

Mixen: Werner Eckart hat meinen langjährigen Bekannten Robinson Kuhlmann gefragt, ob er sich vorstellen könne, diesen Containerpark zu übernehmen. Mit Robinson arbeite ich oft zusammen, vor allem im SHRN Laden. Wir kennen uns schon lange über’s Skaten. Gemeinsam hatten wir zuerst ein Büro im Keller seines Hauses. Allerdings gab es dort weder eine Toilette noch Tageslicht. Der Container gefällt mir natürlich viel besser. Als dieser ausgebaut wurde, war ich neben dem Radio 80000 der Erste, der hier einzog.

Mixen im Container Collective

Mixen im Container Collective

Sonja: Mit welchen Herausforderungen hast du im Alltag zu tun, wenn du hier arbeitest?

Mixen: Es kann sehr kalt und sehr warm werden. Alles dazwischen ist super. Aber Hochsommer und tiefer Winter sind schon extrem. Letzte Saison habe ich gemerkt, dass ich heuer unbedingt eine Markise brauche. Im Sommer, wenn es bei 30 Grad ein Wärmegewitter gibt, bin ich sonst gezwungen, die Tür zu schließen. Ansonsten würde der Regen meinen Boden aufschwemmen. Aus Erfahrung kann ich sagen, dass es zwischen Null und 30 Grad okay ist, aber darunter oder darüber hinaus macht es keinen Spaß mehr. Speziell, weil sich Container im zweiten Stockwerk anders verhalten, als auf dem Boden. Hier oben wird im Winter absolut keine Wärme gespeichert –  da helfen auch keine Teppiche. Wir können nur über diesen kleinen Lüfter heizen.

30 Quadratmeter großer Schaffensbereich

Sonja: Würdest du anders arbeiten, wenn du mehr Platz hättest? Speziell, weil du in einem künstlerischen Beruf arbeitest, der oftmals größere Materialien erfordert?

Mixen: Der Container ist zwar 12 Meter lang und 30 Quadratmeter groß, aber relativ schlauchig. Mein Schreibtisch, den du hier siehst, ist also sehr schmal. Ich passe mich gut an. Grundsätzlich neige ich bei mehr Platz dazu, viel mehr Zeug anzuhäufen, obwohl ich es nicht brauche. Dann türmen sich hier manchmal Magazine, Papier und Post, bis es irgendwer wegräumt. Aber die Größe des Raums an sich ist für mich perfekt zum Arbeiten. Wenn ich großformatig malen möchte, kann ich den Tisch ausziehen. Ich mag gerne praktische Sachen, wie ausklappbare Möbel oder in die Wand verbaute Screens. Ich habe auch schon in Großraumbüros gearbeitet, und fand es furchtbar. Viele Menschen auf knappem Raum – das wirkt einengend auf mich. Man kann sich in einem kleinen Raum besser konzentrieren. Hier ist alles genau so, wie ich es brauche. Ich habe meine Ruhe, und kann mich entfalten.

"Ich kann mich auf kleinem Raum besser konzentrieren."

Sonja: Du hast es ja ziemlich wohnlich hier. Was ist dein Lieblingsteil im Büro – abgesehen von deinem Mitbewohner Conny?

Mixen: Wir haben uns beim Einrichten viel Zeit genommen, und den Raum erst einmal wirken lassen. Beim Regal war wichtig zu beachten, wie breit es maximal sein darf. In der Länge sind wir flexibel – aber bei der Breite musste man justieren. Unser Büro haben wir nicht so geplant wie etwa nebenan der Radiosender oder unten das Tattoo-Studio. Die haben ganz andere Bedürfnisse. Wir wollten einen guten Durchgang ermöglichen, nicht mit dem Gesicht zur Wand arbeiten und jedem seine eigene Fläche schaffen. Mir war wichtig, dass meine Bücher alle hier sind – vor allem, weil meine Wohnung auch so klein ist. (lacht)

Sonja: Darüber sprechen wir ja noch im zweiten Interview. Hast du grundsätzlich eher das Gefühl, dass sich der Raum dir, oder du dich dem begrenzten Platz anpasst?

Mixen: Wir haben Stück für Stück alles zusammengesetzt und ein Grundsystem geschaffen. Alles, was an den Wänden hängt, ist sowohl Dekoration als auch eine Art Portfolio meiner Designarbeiten. Wenn ich Leute hier habe, kann ich ihnen meine Poster und Illustrationen direkt zeigen. Mir ist wichtig, auch in meiner Wohnung, dass ich mich mit Sachen umgebe, zu denen ich einen persönlichen Bezug habe. (zeigt an die Wände) Das hier ist Hans Söllner, den finde ich toll. Hier dieses Foto zeigt einen Kumpel von mir, diese Zeichnung ist von einem guten Freund aus Wien und da drüben hängen meine Skateboards. Alles Dinge, die mich beeinflussen und auch ausmachen.

Sonja: Es wirkt auf mich so, als wäre dieser Raum eine logische Erweiterung deiner Persönlichkeit.

Mixen: Ich glaube es war Mirko Borsche, der mal geschrieben hat: „Man ist so viel in der Arbeit, dort muss man sich einfach wohlfühlen, sonst verbindet man mit der Arbeit etwas Negatives.“ Das fand ich so sinnvoll! Mein eigenes Büro möchte ich genau so einrichten, dass ich mich immer wohlfühle. Das ist hier ein natürlicher Prozess gewesen, mich mit Projekten und Artworks zu umgeben, die mich inspirieren. Außerdem sind mir die Pflanzen sehr wichtig – da komme ich als Gärtnersohn nicht aus. (lacht)

Sonja: Du bist ja auch als Dozent an der IFOG Akademie beschäftigt. Siehst du dich in der Lage, eine Prognose abzugeben, was mangelnder Raum aus unserer Generation macht? Wirkt sich das deiner Meinung nach aus?

Mixen: Wenn man mal seinen Facebook-Feed durchscrollt oder im Umfeld mithört, was die Leute für Wohnungen suchen, merkt man schnell, dass alle mehr Platz wollen. „Jetzt bin ich 30, jetzt möchte ich mindestens eine 50qm-Apartment und nicht mehr auf 12qm WG-Zimmer hausen.“ Ich persönlich bin überhaupt nicht so, und fühle mich sehr zufrieden mit dem Platz, der mir zur Verfügung steht. Das entspricht meinem Wesen. Mir reicht wenig Raum. Bei anderen sehe ich aber, dass man sich, mit allem was man auf Instagram sieht, ständig vergleicht. Irgendwann hat man so viele große Loft-Wohnungen gesehen, dass man das auch möchte. Wenn man dann allerdings in einer Stadt lebt, in der Wohnraum ohnehin knapp ist, kann einen das schon unglücklich machen. Bei meinen Studenten speziell hängt es stark davon ab, wie sie aufgewachsen sind. Zwischen einer Kindheit in einer Arbeiterfamilie, in der alle Geschwister ein Zimmer teilen, bis hin zu reicheren Jugendlichen, die vielleicht öfters Hotelurlaube gemacht haben, besteht in deren Erwartungshaltung ein großer Unterschied. Das hat nicht viel mit dem Alter zu tun, sondern eher mit dem Background.

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