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Die interkulturelle Cafeteria der VHS steht sprichwörtlich für Grenzenlose Gastfreundschaft.

Text Sonja Steppan
Fotos Maik Richter

Über den Tellerrand kochen

Unternehmerisch denken, wirtschaftlich arbeiten und kulinarisch etwas Neues, Aufregendes bieten: Das jüngst eröffnete Café des Vereins Über den Tellerrand kochen München e.V. möchte viel mehr, als nur ein soziales Projekt sein.

Zusammengefunden hat das Team bei verschiedenen Kochevents, die persönlichen, interkulturellen Austausch fördern und den Leitgedanken verfolgen, dass ein gemeinsames Dinner viel besser Integration ermöglicht, als die Politik es vermag. Seit einigen Jahren organisieren Ehrenamtliche sowohl offene Kochtreffs, bei denen in legerem Rahmen afghanische, senegalesische, syrische oder griechische Gerichte zubereitet werden, aber auch Kochkurse für Teams oder Privatleute, die sich intensiver mit den jeweiligen Landesküchen beschäftigen möchten, und dafür einen Unkostenbeitrag zahlen.

Interkultureller Austausch, der durch den Magen geht – das ist die Idee des Vereins. Zunächst einmal wollten ein paar weltoffene Berliner bezwecken, dass Flüchtlinge gemeinsames Kochen mit Einheimischen anleiten, neues Selbstbewusstsein für ihr Können erlangen und durch die gemeinsame Mahlzeit ihre Kultur vorstellen sollten. Die Münchner Gruppe ist eine von 31 Satellitenprogrammen außerhalb des Gründungsortes Berlin, deren Ziel es ist, den Kontakt auf Augenhöhe zu ermöglichen. Durch das Essen sollen Deutsche im Kontakt mit den Köchen mehr Verständnis für die Situation von Geflüchteten gewinnen.

Der Verein Über den Tellerrand kochen e.V. coacht Freiwillige und stellt für die Kochabende die Infrastruktur und Ressourcen bereit. Zu zentralen Aktivitäten gehört zudem auch Sport, Singen oder Gärtnern, sowie Tandem-Sprachkurse, die in Wechselwirkung funktionieren.

Auch der regelmäßige Kochtreff Ein Teller Heimat möchte beim Zubereiten vertrauter Gerichte den oft tristen Alltag der Asylbewerber in den Hintergrund rücken lassen, und stattdessen für Genuss und heimatliche Gefühle sorgen. Hier wird eine spezielle Landesküche thematisch dem Abend vorangestellt und auch passend musikalisch untermalt – was oft dazu führt, dass im Anschluss Tische und Stühle beiseite gerückt und die Tanzbeine geschwungen werden.

Wo solche Supper Clubs und interaktive Kochaktionen aus dem Boden sprießen, werden oft unerwartete Türen geöffnet: Privatpersonen, Kirchen, Mehrgenerationenhäuser und Verwaltungen von Gemeinderäumen setzten ein Zeichen der Willkommenskultur. Neben offiziell eingetragenen Vereinen, die kulinarisch eine Botschaft der Gastfreundschaft senden möchten, gibt es auch weiterführendes Engagement: Über den Tellerrand kochen e.V. beschloss nun, handfeste Arbeitsplätze für engagierte Kochkursteilnehmer mit Fluchthintergrund zu schaffen.

Das Außen…

…und Innen der Location

Die Verantwortliche Julia Harig erzählt: „Der Plan, uns um die ausgeschriebene Pacht der VHS-Cafeteria zu bemühen, kam hauptsächlich von den Geflüchteten selbst, die dort ohnehin die Lehrküche nutzten und schon immer gerne mehr gekocht, kreative Rezeptideen umgesetzt und damit auch Geld verdient hätten.“

Und so kann man neben den Yoga-, Existenzgründer- oder Japanisch-Kursen in der VHS mittlerweile auch einen ganz neuen Horizont erweitern: den kulinarischen. Die arabischen Mezze-Varianten, hausgemachten Limonaden oder das klassische Kuchenangebot laden nicht nur zum Verweilen ein; sie überzeugen auch von der humanen Weltvorstellung, dass gemeinsamer Genuss die beste Basis für eine freundschaftliche Begegnung ist.

Julia Harig schmunzelt, wenn sie über die Gastfreundschaft ihrer Mitarbeiter spricht: „Fast alle Länder, aus denen sie stammen, sind im Vergleich zu Deutschland ohnehin viel herzlicher und gastorientierter in ihrer jeweiligen Willkommenskultur.“

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