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Die Küche als Mittelpunkt des Lebens

Am Anfang war das Feuer. Es diente nicht nur als Herdstelle, sondern ebenso als Licht- und Wärmequelle. Jahrhundertelang war dies der Mittelpunkt des Hauses. Wir haben die Geschichte der Küche verfolgt, um zu sehen, wo sie hingeht.

 

Die Küche als Mittelpunkt des Lebens

Am Anfang war das Feuer. Es diente nicht nur als Herdstelle, sondern ebenso als Licht- und Wärmequelle. Jahrhundertelang war dies der Mittelpunkt des Hauses. Mit ihm waren Rechte und Bräuche verbunden, daneben wurde gelebt, gearbeitet, gebadet und Wäsche getrocknet. Von der zentralen Feuerstelle bis zur innovativen Kochinsel war es ein langer Weg. Wir sind zu Besuch bei Dominik Eham, dem nachkommenden Inhaber des familiengeführten, Innenarchitektur- und Schreinereibetriebes EHAM. Gemeinsam durchleuchten wir die Geschichte und Zukunft der Küche, wir wollen mit dem arbeiten Küchenstudio münchen.

Das offene Feuer

Die Kochstelle war bis ins 18. Jahrhundert so spartanisch beschaffen wie der allgemeine Speiseplan. Das Essen köchelte im Kessel, der an einer Kette über der Feuerstelle hing. Der Rauch stieg frei auf, für die Gesundheit war das nicht so bekömmlich wie für die geräucherten Würste. Mit dem Aufkommen des Kamins wurde der Herd von der Mitte des Raumes an eine Wand verlegt. Sonst geschah erstmal nichts. Kochen am offenen Feuer war selbst in wohlhabenden Häusern alternativlos. Allerdings delegierten die privilegierten Stände die Küchenarbeit nicht nur an das Personal, sondern sie wurde in den Wirtschaftsbau oder Küchenflügel ausgesiedelt und von den repräsentativen Räumen abgegrenzt. Zum Standardgerät von herrschaftlichen Küchen zählte eine reiche Auswahl an Utensilien, die dazu führte, dass neben der echten Kochküche, Prunkküchen eingeführt wurden, die den Besuchern vorgeführt werden konnte.

Der geschlossene Herd

Der Architekt François de Cuvilliés erfand für die Münchner Amalienburg 1735 den geschlossenen Castrol-Herd und hat damit das Kochen revolutioniert. Der Naturwissenschaftler Graf Rumford entwickelte die Idee weiter, indem er die Hitze mittels Kanälen gezielt an verschiedene Stellen der Herdplatte leitete und weniger Wärme verloren ging. Während der Rumford-Herd nur in wenigen Volksküchen und begüterten Haushalten Einzug hielt, diente er doch als Vorbild für die „Kochmaschinen“, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das offene Feuer langsam aus den Küchen aller sozialen Schichten vertrieben. 

Moderne und Design

Mit der Verbreitung der geschlossenen Herde und Wasseranschlüsse wurde die Küche zur Jahrhundertwende zu einem potenziell hygienischen Arbeitsplatz – die neue Küche war idealerweise weiß – und wurde zu einem Meisterstück für das Gesamtkunstwerk von Designern und Architekten. Möbelentwürfe waren jedoch zunächst für das bürgerliche Jugendstil Repertoire reserviert, während die Arbeiterküche multifunktional blieb. Selbst dort, wo es eine gute Stube für besondere Gelegenheiten gab, blieb die Küche Wohn- und Aufenthaltsraum der Familie.

„Wir planen, kreieren an einem Ort.“

Mit dem Fortschritt in den USA kamen Konzepte der Rationalisierung der Hausarbeit und der entlasteten Hausfrau über den Atlantik nach Deutschland. Vorbild waren tatsächlich die Küchen der großen Ozeandampfer, welche die neue und alte Welt verbanden. Als der Baudezernent Ernst May Ende der 20er Jahre mit dem öffentlichen Wohnungsbauprojekt Römerstadt in Frankfurt am Main auch einen gesellschaftlichen Wandel anstoßen wollte, traf er auf einen gestalterischen Zeitgeist, der in der Küche den idealen Ort für Funktionalismus fand. Das Ergebnis gilt als die erste Einbauküche und machte als „Frankfurter Küche“ Karriere.

Zurück zur Offenheit

Nachdem die isolierte Systemküche über Jahrzehnte verfeinert wurde, kam es im Zuge der Emanzipierung der Frau und der Aufteilung der Haushaltsaufgaben erneut zum Paradigmenwechsel. Die Kochstelle sollte nicht mehr abgekapselt sein, sondern wieder in das soziale Leben eingebunden werden. Otl Aicher versucht das „Diktat der Einbauküche“ zu durchbrechen und Küchen zu gestalten „in denen man vernünftig und mit Lust kochen kann“. In diesem Sinne forderte er in der bulthaup Studie „Die Küche zum Kochen. Das Ende einer Architekturdoktrin“ (1982) kombinierbare Module, Verfügbarkeit und einen Werktisch im Zentrum.

„Bei der Wohnküche sind wir schon lange wieder und die Kochinseln ersetzen die altertümliche Feuerstelle,“ findet Dominik Eham, der als junger Vertreter einer alten Tradition in der Familienschreinerei die Kundenwünsche bestens kennt. Deren individuellen Anforderungen begreift er als Spielwiese, um mit Details zu experimentieren und spannende Materialien einzusetzen. Für ihn ist die perfekte Küche vor Allem ein Aufenthaltsraum, in dem verschiedenste Sitzflächen genutzt werden können. „Während 2-3 Leute kochen, sitzen die anderen auf Fensterbrettern, Kochfeldern, Arbeitsplatten, Barhockern, und Tischen.“

So schließt sich der Kreis beim uralten Konzept der offenen Küche: das kommunikative Zentrum, das als Luxusvariante bestens als Statussymbol funktioniert (vergleiche die barocke Prunkküche) und heute bei jeder Party im Mittelpunkt steht. Letzteres vermutlich wegen dem Kühlschrank.

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