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„Eine Skulptur muss man spüren“ – Gabriela von Habsburg im Interview

Ein Gespräch mit Gabriela von Habsburg

„Eine Skulptur muss man spüren“ – Gabriela von Habsburg im Interview

Elf Meter vierzig hoch. Acht Meter breit. Zehn Tonnen schwer. Gabriela von Habsburg ist gerade mitten in der Umsetzung ihres neuesten Projekts: Einer riesigen Edelstahlskulptur in der Schweiz.

Wir haben sie in ihrer Stockdorfer Werkstatt getroffen.

 

EW: Wieso solch eine große Skulptur?

GvH: Eine Skulptur ist für mich immer dann am spannendsten, wenn man sie nicht nur mit den Augen sieht oder anfassen kann, sondern wenn man sie tatsächlich spürt. Also man spürt, dass es eine Masse gibt – und die spürt man nicht nur mit den Händen, sondern mit dem gesamten Körper. Eine Skulptur mit guter Form in dieser Größe hat eine enorme Ausstrahlung und der Stahl sticht natürlich auch ins Auge.

Sie muss sich aber dennoch an der Umgebung anpassen -und am Betrachter. Man kann sie deshalb nicht beliebig groß und hoch bauen, sonst würde der Betrachter sich erschlagen fühlen. Außerdem muss sie zur Architektur und zur Größe des Platzes passen.

Die Skulptur soll auf dem Platz vor dem neuen KWC Gebäude in Unterkulm stehen. Diese ist auch Auftraggeber.

 

EW: Haben Sie sich bei der Skulptur von den Produkten des Unternehmens inspirieren lassen?

GvH: Die Skulptur ist eine künstlerische Interpretation eines KWC Wasserhahns, aber keine genaue Nachbildung. Ich habe mir natürlich auch die Produkte angesehen die sie herstellen. Da gab es jedoch keinen dreieckigen Wasserhahn, ich glaube das ist von der Produktion kaum machbar. Aber sie hatten zum Beispiel einen Wasserhahn, der je nach Temperatur verschieden farbig ist und das fand ich sehr spannend. Letztlich wollte ich die Skulptur aber sehr reduziert gestalten und habe mich dann auch gegen farbiges Licht entschieden. Es sollte sich einfach auf das Wesentliche konzentrieren und ich denke das ist mir gut gelungen.

 

EW: Gab es eine spezielle Funktion warum der Hahn dreieckig wurde?

GvH: Das war mir persönlich einfach wichtig, dass diese Skulptur formal reduziert ist. Neben dem Kreis ist das Dreieck die reduzierteste Form in der Geometrie. Das Auge führt jede angedeutete Form zu Ende. Am Ende bleibt dann auch wirklich nicht mehr viel übrig das man wegreduzieren muss (lacht). Eine starke Form brauch keinen Schnick-Schnack.

 

EW: Wie sind Sie zur Kunst gekommen?

GvH: Meine Mutter hat mich sehr früh mit in die Oper genommen, da sie oft Karten hatte. Wir waren sieben Geschwister und keiner außer mir wollte mitgehen (lacht). Dort habe ich immer voller Begeisterung in den Orchestergraben geschaut, weil ich die Musik so interessant fand. Das dabei für mich spannendste Instrument war die Geige, welches ich unbedingt erlernen wollte. Und als ich dann zum Geigenunterricht ging, wusste meine Mutter nicht, dass mein Lehrer, Reinhold Heller, hauptberuflich eigentlich Maler war. Ja und so haben wir dann erst immer Geige gespielt und dann Kunst gemacht. So kam ich schon als junges Mädchen in Verbindung mit zeitgenössischer Kunst.

EW: Wie kamen Sie zu diesem Auftrag?

GvH: Ich hatte in der Schweiz schon mehrere Skulpturen realisiert und wurde dann von KWC angesprochen. Diese wollten gerne eine Skulptur bauen lassen die auch das Element Wasser beinhaltet und dabei passend groß ist. So bin ich dann dorthin gefahren, habe mir den Platz und auch das Unternehmen angesehen und dann einen Entwurf gezeichnet und ein Modell aus Edelstahl gebaut, das letztlich so gut gefallen hat, dass wir jetzt in der Umsetzung sind.

EW: Wie spielt das Element Wasser hier eine Rolle?

GvH: Die Kombination aus Wasser und Licht spielt bei dieser Skulptur die entscheidende Rolle. Durch die Beleuchtung des Hahns sieht es bei Schneefall oder Regen so aus, als würde Wasser aus der Skulptur fließen, ohne dass dies tatsächlich passiert, da bei Frost und Wind der Brunnen ja nicht Wasser führen kann.

Und auch der Brunnen als solches ist hier sehr wichtig. Ein Brunnen bedeutet immer etwas Verbindendes. Menschen gehen gerne dorthin wo Wasser fließt. Und nach der Fertigstellung werden Menschen über den Platz laufen, weil es dort zu den Wohnhäusern oder auch zum Bahnhof geht. Es wird also eine Art Treffpunkt. Eine Verbindung.

Eine Verbindung muss auch Gabriela von Habsburg herstellen, denn im Mai soll die fertige Skulptur stehen. Doch zehn Tonnen Edelstahl bedeuten vor allem eins: enormer Transportaufwand. Wie die Skulptur nach Unterkulm gelangt und wie sie fertig aussieht erfahrt Ihr in Teil Zwei.

Vielen Dank für das Interview!

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