Rechnen
max. Kaufpreis
Miete oder Wunschrate
Eigenkapital

+5.600 € max. Kaufpreis

Eigenkapital
250000
Miete oder Wunschrate
1500

Thema Wohnkultur Hyggeliges Lolland: Urbaner Eskapismus ist ein Trend.

Text von Lukas Kubina,
Bild Adrian

Hyggeliges Lolland

Schon Jean-Jacques Rousseau wollte zurück zur Natur – auch, wenn im 18. Jahrhundert der Trubel in den Städten noch nicht so groß gewesen sein dürfte. Nicht allein an den zahlreichen Hochglanz-Magazinen mit Rekordauflage merkt man, dass die Stadtbevölkerung von einer neuen Landlust gepackt wurde. Eine nichtrepräsentative Umfrage im Bekanntenkreis bestätigt das: Großstadtmenschen wollen sich vor den Strapazen des modernen Lebens zurückziehen, romantisieren das Landleben und wollen alte, heruntergekommene Bauernhäuser eigenhändig renovieren und bewohnbar machen. Urbaner Eskapismus ist der Trend. Charlotte Roche fordert in ihrer Kolumne, man soll die Städte verlassen, Matthias Schweighöfer ist bereits auf einem Bauernhof hinter Spandau gelandet und Lenny Kravitz’ Lieblingshobby besteht im Pferdereiten in seiner brasilianischen Finca. Wer es sich leisten kann, zieht hinaus aufs Dorf.

Die Wahlhamburger Janina und Sölve sind auch dem Ruf der Natur gefolgt und haben eine alte Hütte auf Lolland (Dänemark) erworben und renoviert. Über ein Jahr hat Sölve dort Kabel gelegt, Dachfenster eingebaut, Wände eingerissen, eine große Küche ins Zentrum platziert, einen Kamin installiert, ein Holzdeck mit Feuerstelle in den Garten gebaut und den Garten bestellt. Inzwischen ist er fast fertig und Janina besucht ihn so oft sie kann. In der Tat ist ein Paradies entstanden. Im Sommer kann man mit dem Motorboot zum Baden auf eine der vorgelagerten Inseln fahren. Und das Wetter ist nie lange schlecht, da es alle 5 Minuten wechselt. Im Herbst, wenn die letzten Touristen wegbleiben hat man die Insel für sich. Nach langen Spaziergängen mit dem Labrador, bei denen man die Zugvögel beobachten kann, wie sie sich versammeln und langsam auf die Abreise begeben, kehrt man vom Wind verweht mit dem Sonnenuntergang ins Heim zurück. Drinnen knistert im Kamin das Feuer, man streift sich dicke Wollsocken über, setzt einen Grog auf, zündet Kerzen an und verliert ohne Eile das Zeitgefühl. Im Gegenzug empfindet man einen warmen Eindruck von hyggelig, ohne die Definition aufschlagen zu müssen. (Def.: Hyggelig ist ein dänisch und norwegisches Adjektiv, das wörtlich „gemütlich“ bedeutet, darüber hinaus weitere Konnotationen wie „geborgen“, „behaglich“, „Trost spendend“ innehat.) Was nach Klischees klingt, ist hier eingerichtete Realität. Aber es gibt auch seine Kehrseiten, erzählt Sölve, während es draußen schlagartig stockdunkel wurde. Er hegt den Verdacht, dass die Insulaner, größtenteils arbeitslos oder Fischer, ihn für verrückt halten und ihnen, den Stadtmenschen, zutiefst misstrauen. Inzwischen hat er zwar Kontakt zu seinem Nachbarn, der ihn regelmäßig besucht, um gemeinsam Bier zu trinken, aber dabei schweigen sie meistens. Ein neues Projekt ist, mit ihm gemeinsam Schnaps zu brennen. Es scheint kein Zufall, dass sich die Tradition der Selbstgebrannten in den Weiten nördlicher Landstriche großer Beliebtheit erfreut. Ohne das Heimkino, dass er sich im Speicher eingerichtet hätte, würde einen die Umsetzung von weiteren Schnapsideen nicht loslassen. Stattdessen enden die Abende früh mit Netflix oder einem Buch. 

Städte decken 2 % der Weltoberfläche ab. Das Land 98 %. Mittlerweile leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Diese Urbanisierung drückt sich auch in einer Reaktion aus: Stadtluft schafft Landlust. Sölve und Janina haben sich diesen Traum realisiert, allerdings nur als Teilzeitidylle, als Ausgleich zum Großstadtleben mit seinem bunten Angebot und seiner ermüdenden Leistungskultur. Aber vor allem um sich den größten Luxus zu erfüllen: Zeit.

Mehr Geschichten auf dem Weg vom Traum zum Raum

Baugeld Spezialisten Logo

Hyggeliges Lolland

Urbaner Eskapismus ist ein Trend. Charlotte Roche fordert in ihrer Kolumne, man soll die Städte verlassen und Matthias Schweighöfer ist bereits auf einem Bauernhof hinter Spandau gelandet. Wer es sich leisten kann, zieht hinaus aufs Dorf.

Baugeld Spezialisten Logo

Die Welt in einem Zimmer – aus dem Zimmer in die Welt

Ein Gespräch mit Daniel Walcher.

Baugeld Spezialisten Logo

She simply did it

Ein Gespräch mit Lisa Walther über ihre Firma "Simply Social".

Beratungstermin Kontaktieren Sie uns für ein unverbindliches Beratungsgespräch. Wir finden die richtige Baufinanzierung für Sie.