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„Der Koloss“ – so nennen die Bewohner Rügens die ehemals längste Baustelle der ideologischen Vergangenheit. Ein viereinhalb Kilometer langer Wohnkomplex aus baugleichen Häuserblocks 150 Meter vom Strand entfernt. „Urlaub für 20.000 Menschen“ war die Idee – die arbeitende Bevölkerung sollte sich dort erholen und wieder zu Kräften kommen.

"Die Vergangenheit war nicht mehr spürbar, wir konnten etwas Neues darauf aufbauen."

Wir treffen Iris Hegerich. Ihre Unternehmensgruppe Irisgerd war die Erste, die mit einem Ausbau von fünf Wohnriegeln begonnen hatte, um daraus ansprechende Wohnungen und Hotelappartements zu machen. Was den Ausschlag für den Kauf gegeben hat? Sie antwortet nicht wie der nüchterne Investor: „Du stehst in der Wohnung und dann siehst Du das Meer.“ Auch € 100 Mio. Investment später strahlt das Lächeln noch genauso wie zu dem Zeitpunkt, als sie für 166 Wohnungen und 114 Hotelappartements die Kaufentscheidung traf.

Prora, wie der gesamte Komplex genannt wird, verfiel und wurde durch die Sowjetunion zur Unterbringung von Soldaten und Heimatvertriebenen genutzt und nach der Wiedervereinigung für einen kurzen Zeitraum von der Bundeswehr betrieben. Es verfallen zu nennen wäre eine grobe Beschönigung gewesen.

„Wenn ich die strahlenden Augen der Erwerber sehe hat sich jeder Einsatz und das Überwinden aller Hindernisse mehr als gelohnt.“

„Prora stand unter Denkmalschutz und ist deshalb für Anleger aufgrund der Abschreibungsmöglichkeiten attraktiv“, erklärt Iris Hegerich die Ratio des Investments. Wenn sie über „ihr Prora“ spricht, kommen die Antworten schnell und durchdacht. Über fünf Jahre – zwei Jahre länger als geplant – hat dieses Projekt ihr Leben geprägt und Spuren hinterlassen. Direkt ab Bekanntgabe, dass der „Koloss“ zu neuem Leben erwachen soll, war die Öffentlichkeit fasziniert – und zwar weltweit. Es gab ermutigende Stimmen aber auch viel Skepsis, ob das düstere Erbe des Nazis spürbar bleiben würde. Darüber hatte Iris Hegerich sich viele Gedanken gemacht und zur spirituellen Reinigung 111 Mönche engagiert, die dann 16 Tage für das Objekt und die gute Energie für alle Beteiligten gebetet haben. „Ich hatte den Eindruck, dass das Reinigungsritual im ganzen Gebäude viel verändert hat. Die Vergangenheit bleibt. Sie war aber nicht mehr spürbar, wir konnten etwas Neues darauf aufbauen.“

Die größte Herausforderung beim Umbau in ein „Neues Prora“ war der Zeitdruck. Der Generalübernehmer musste ausgetauscht werden und dann koordinierte Irisgerd selbst über 40 Firmen mit unzähligen Gewerken. Kreativität und Gestaltungswille trafen auf die Mysterien der Prozesslogistik großer Bauvorhaben. Wenn Iris Hegerich ins Detail geht und über einzelne Handwerksfirmen spricht, die nicht die vereinbarte Leistung ablieferten – oder zu spät oder teurer – ist spürbar, wie Nerven zerreibend Verhandlungen sein können. „Dann kann der Parkettleger nicht anfangen, weil der Maler noch nicht begonnen hat, weil noch die Position der Heizungen an den Wänden korrigiert werden musste von der Haustechnikfirma und so weiter. Dazu kommt ein knappes Angebot an Baufirmen auf Rügen. Wenn man bei der Qualität keine Kompromisse duldet muss man sich halt gedulden und dann ist man wieder beim Zeitdruck.“

Dieser Zeitdruck führte dazu, dass man mit der finanzierenden Bank über eine Verlängerung des Darlehens sprechen musste. Die forderte neue Sicherheiten, die kaum zu erfüllen waren. Das Projekt stand auf der Kippe und Iris Hegerich sah in den Abgrund. „Aber dann habe ich realisiert: das Wichtigste ist, dass ich gesund bin. Und wenn es so kommt, habe ich wieder mehr Zeit für meine Familie. Der permanente Druck, auch für die Mitarbeiter die alles gaben, wäre weg. Mit dieser Haltung ging ich in das Meeting mit der Bank und wir einigten uns gütlich.“ Sie lächelt und ergänzt „Darüber war ich angesichts der Alternative fast ein wenig traurig.“ Wobei ihr das Gelingen des Projekts bei weitem lieber war. Denn unabhängig vom eigenen Gestaltungswillen stand sie in der Verantwortung für viele Menschen wie Mitarbeiter, Kunden und Auftragnehmer.

In diesem Sommer wird „ihr Riegel“ nun fertig. Wenn sie mit dem Wissen von heute wählen könnte, würde sie sich wieder für das Projekt entscheiden? „Wenn wir alle Schwierigkeiten vorausgeahnt hätten, niemals“ – dabei lacht sie so fröhlich, dass einem klar wird, dass sie dann ein anderes, verrücktes Projekt angenommen hätte. Aber es wurde das „Neue Prora“. „Wenn ich die strahlenden Augen der Erwerber sehe, die so glücklich in ihrem neuen zu Hause sind, oder selbst Urlaub in ihrem Hotelappartement machen, dann hat sich jeder Einsatz und das Überwinden aller Hindernisse mehr als gelohnt.“ Denn dann siehst Du das Meer.

 

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